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Was ist Literatur?

Meine Gedanken zu einer der schönsten Erfindungen der Menschheit 
So mancher Möbelträger hat tüchtig geschnauft, die vielen Bücher tragen zu müssen - 3,1 t, fast 6000 Exemplare! Und alle gelesen! Schauen Sie nur einfach auf einen Teil unserer Büchersammlung: Und dann sollte Ihnen klar werden, dass die folgenden Worte nicht nur irgendetwas Dahergesagtes sind.        
Beginnen möchte ich meine Gedanken mit drei Gedichten: 
Ich saz ûf eime steine

Ich saz ûf eime steine
und dahte bein mit beine,
dar ûf satzt ich den ellenbogen;
ich hete in mîne hant gesmogen

daz kinne und ein mîn wange.
dô dâhte ich mir vil ange,
wie man zer welte solte leben.
deheinen rât kond ich gegeben,
wie man driu dinc erwurbe,

der keines niht verdurbe.
diu zwei sint êre und varnde guot,
daz dicke ein ander schaden tuot.
daz dritte ist gotes hulde,
der zweier übergulde.

die wolte ich gerne in einen schrîn:
jâ leider desn mac niht gesîn,
daz guot und weltlich êre und gotes hulde
mêre zesamene in ein herze komen.
stîg unde wege sint in benomen;

untriuwe ist in der sâze,
gewalt vert ûf der strâze,
fride unde reht sint sêre wunt.
diu driu enhabent geleites niht,
diu zwei enwerden ê gesunt.

Ich hôrte ein wazzer diezen
und sach die vische fliezen,
ich sach swaz in der welte was,
velt, walt, loup, rôr unde gras.

swaz kriuchet unde fliuget
und bein zer erde biuget,
daz sach ich, unde sage iu daz:
der keinez lebet âne haz.
daz wilt und daz gewürme

die strîtent starke stürme,
sam tuont die vogel under in,
wan daz si habent einen sin:
si dûhten sich ze nihte,
si enschüefen starc gerihte.

si kiesent künege unde reht,
si setzent hêrren unde kneht.
sô wê dir, tiuschiu zunge,
wie stêt dîn ordenunge!
daz nû diu mugge ir künec hât,

und daz dîn êre alsô zergât!
bekêrâ dich, bekêre,
die cirkel sint ze hêre,
die armen künege dringent dich.
Philippe setze den weisen ûf,
und heiz si treten hinder sich!

Ich sach mit mînen ougen
mann unde wîbe tougen,
daz ich gehôrte und gesach
swaz iemen tet, swaz iemen sprach.

ze Rôme hôrte ich liegen
und zwêne künege triegen.
dâ von huop sich der meiste strît
der ê was oder iemer sît,
dô sich begunden zweien

die pfaffen unde leien.
daz was ein nôt vor aller nôt,
lîp unde sêle lac dô tôt.
die pfaffen striten sêre,
doch wart der leien mêre.
diu swert diu leiten si dernider
und griffen zuo der stôle wider:
si bienen die si wolten
und niht den si solten.
dô stôrte man diu goteshûs.

ich hôrte verre in einer klûs
vil michel ungebære;
dâ weinte ein klôsenære,
er klagete gote siniu leit:
"Owê der bâbest ist ze junc;
hilf, hêrre, dîner kristenheit!"

(Walther von der Vogelweide)  

Sonnet II

When forty winters shall besiege thy brow,
And dig deep trenches in thy beauty's field,
Thy youth's proud livery, so gaz'd on now,
Will be a totter'd weed of small worth held:

Then being ask'd where all thy beauty lies,
Where all the treasures of thy lusty days,
To say within thine own deep sunken eyes
Were an all-eating shame, and thriftless praise.

How much more praise deserv'd thy beauty's use
If thou could answer: «This fair child of mine
Shall sum my count, and make my old excuse», –
Proving his beauty by succession thine!

This were to be new made when thou art old,
And see thy blood warm when thou feel'st it cold.


Wenn vierzig Winter deine Stirn belagern
Und Gräben rissen deiner Schönheit Feld,
Vom Frühlingskleid, das du so stolz getragen,
Nur Unkraut bleibt, ganz wertlos und verwelkt;

Dann auf die Frage, wo die Schönheit blieb
Und wo die Ernte reicher, froher Tage,
Zu sagen: "Tief in Augenhöhlen liegt's!",
Wär magres Lob, mehr Scham und Selbstanklage.

Viel mehr zu loben wär die Schönheit leicht,
Hättst du die Antwort: "Hab ein Kind gezeugt.
Die Rechnung zahlt's, die's Alter nicht begleicht".
Dankt seine Schönheit dir, da's deine zeigt!

Du hättest dich verjüngt, wärst du auch alt,
Und sähst dein Blut noch warm, durchlief's dich kalt.

(William Shakespeare)  

Das Lied vom Glück auf Ewigkeit

Vor langer Zeit, noch jung an Jahren,
Da nahm mein Ded mich bei der Hand.
Er war sehr alt und sehr erfahren,
Und führte mich zum fremden Strand.

Er sagte: "Enkel, sieh und schaue
Das riesengroße Wasser an.
Ergründe dort, was ist das Blaue,
Das zieht so viele Menschen an!"

"Es sind die Tränen in den Wogen,
Verkündend Freud und Traurigkeit.
Benetz damit nun dir die Augen -
Das bringt dir Glück auf Ewigkeit."

Wie Feuer brannt' es in den Augen -
Und Ded, er sagte mir dazu:
"Mein Enkelchen, du musst mir glauben -
Zum Glück kommt auch der Schmerz hinzu!"

"Der Schmerz der Trennung und des Leides,
Gebrochner Herzen tiefster Weh'.
Doch Glück und Schmerz - sie haben eines:
Sie sind verborgen in der See!"

Vor kurzem, nach so vielen Jahren,
In einem weit entfernten Land -
Ich hatte Glück und Leid erfahren -
Da ging ich hin zum fremden Strand.

Wie Feuer brannt' es in den Augen -
Ich weinte laut in Einsamkeit!
Und leise sangen mir die Wogen
Das Lied vom Glück auf Ewigkeit.

(Marian Grabe, März 1997)  
 
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